Ansprache von Bischof Dr. Reinhard Lettmann zur Segnung der neuen Geschäftsräume
Lass uns deinem kommenden Christus
entgegeneilen“: Diese Bitte an Gott, die ich mir zum Leitwort für meinen bischöflichen Dienst gewählt habe, ist ein Pilgerwort. „Lass uns deinem kommenden Christus entgegeneilen.“
Das gilt für unser ganzes Leben. Das wird in besonderer Weise in die Wirklichkeit hineingesetzt, wenn wir eine Pilgerfahrt machen. Wenn wir wallfahren und pilgern, stehen wir in
einer alten Tradition. „Wie freute ich mich, als man mir sagte, wir ziehen zum Hause des Herrn.“ Mit diesen Worten beginnt ein Pilgerlied des alten Bundes.
In einem geistlichen Lied aus Frankreich heißt es: „Seit dem Sündenfall träumte Gott davon, seinen Sohn, den Herrn Jesus, als Freund zu senden auf unseren Wegen.“ Gott
ließ seinen Traum Wirklichkeit werden in der Menschwerdung seines Sohnes. Jesus, gesandt als Freund auf unseren Wegen: Das weckt unser Interesse an den Wegen, die
Jesus selbst gegangen ist. Er ging seine Wege im heiligen Land. Die Evangelien berichten davon. Wir können die Evangelien zur Hand nehmen, gleichsam als einen
geistlichen Reiseführer, um uns von ihnen die Wege zeigen zu lassen, die Jesus gegangen ist.
Die Evangelien erinnern uns dabei an seine Worte und Taten. Sie lassen das Bild seiner Persönlichkeit vor unserem geistigen Auge lebendig werden. So können die Wege Jesu
im heiligen Land, die wir unter der Führung des Evangeliums gehen, zu einer spirituellen Erfahrung werden.
Seit frühester Zeit machten Christen sich auf zur Pilgerfahrt in das heilige Land. Der Reisebericht der Egeria, die über den Sinai in das heilige Land pilgerte, ist eines der
ersten Zeugnisse christlicher Pilgerfahrten.
„Lass uns deinem kommenden Christus entgegeneilen“: Das ist ein Wort, nicht nur einer einzelnen Person, sondern vieler. Es ist ein kirchliches Wort. Es weckt unser
Interesse an den frühen christlichen Gemeinden, die die Apostel gegründet haben. Pilgerfahrten auf den Spuren des Apostels Paulus im heutigen Griechenland und in der
Türkei lassen uns Einblick in das Leben der frühen christlichen Gemeinden gewinnen, vor allem, wenn wir an den Orten die Texte der Apostelgeschichte und die Briefe des Apostels Paulus lesen.
Gemeinschaft der Kirche erfahren wir in
besonderer Weise bei den Pilgerfahrten nach Rom. Das Gebet und die Gottesdienste an den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus und die Begegnung mit dem heiligen Vater sind immer wieder ein beeindruckendes Erlebnis.
Wir pilgern nach Rom zu Selig- und Heiligsprechungen, wie vor einigen Jahren zur Seligsprechung von Schwester M. Euthymia und Nikolaus Groß und wie im kommenden Oktober zur Heiligsprechung von Arnold Janssen
, dem Gründer der Steyler Ordensgemeinschaft. Wir pilgern zu den Orten, da wir der Heiligen gedenken, besonders auch nach Santiago de Compostella zum Grab des
heiligen Jakobus. Unter den Heiligen nimmt Maria eine besondere Stellung ein, die Königin aller Heiligen. Wir pilgern gern zu den Orten, an denen sie in besonderer Weise verehrt wird, wie z. B. nach Lourdes.
Einer meiner Vorgänger im Bischofsamt, Bischof Dr. Michael Keller, hatte als Leitwort für seinen bischöflichen Dienst gleichfalls ein Wallfahrtswort gewählt. Ein Wort aus dem
Marienlied „Meerstern ich dich grüße“: „Iter paratutum! – Gib uns sicheres Weggeleit!“ Wir bitten Maria, dass sie uns auf unserem Weg geleite, dem kommenden Christus entgegen.
Unsere neue Pilgerstelle trägt den Namen „Emmaus“. Das lässt uns an den Weg den beiden Jünger nach Emmaus denken. Sie sprechen unterwegs miteinander. So sollen
unsere Pilgerfahrten auch heute Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Die Emmaus-Jünger begegnen Jesus und hören sein Wort. So soll auch uns das Wort des
Herrn, das wir im Evangelium hören, Licht und Hoffnung geben. Beim Brechen des Brotes erkannten die Emmaus-Jünger den Herrn. Auch wir feiern auf unseren
Pilgerfahrten Gottesdienst und vor allem auch die heilige Eucharistie miteinander, um die Gemeinschaft mit dem Herrn zu erleben.
Pilgerfahrten brauchen Pilger, Menschen, die sie unternehmen. Sie brauchen aber auch Personen, die sie vorbereiten, die sie durchführen und die uns Pilgern in allen
Situationen hilfreich zur Seite stehen. Das tun die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Pilgerstelle. Dafür danken wir Ihnen herzlich.
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