Nach einem Katastrophen-Jahr für die Reisebranche zeichnet sich eine große Reiselust ab. Auch „Emmaus-Reisen“, der christliche Reise-Anbieter in Münster, erlebt diesen Boom. Was dort jetzt alles möglich ist, sagt Nicole Werger, Abteilungsleiterin des Partners von „Kirche-und-Leben.de“, im Interview.

Frau Werger, die Inzidenzen sinken, der Sommer steht vor der Tür, die Urlaubsplanung läuft. Wie groß ist das Aufatmen bei Emmaus-Reisen? 

Das ist riesig! Wir freuen uns sehr, dass unsere Kundinnen und Kunden uns, etwas flapsig gesagt, geradezu die Bude einrennen. Nach 15 Monaten Frust ist jetzt klar: Wir haben wunderbare Reisen im Angebot, von denen wir wissen, dass sie auch wirklich werden stattfinden können. 

Wie reagieren die Kundinnen und Kunden auf die Lockerungen?

Wir haben durch viele Gespräche den Eindruck, dass sie unbedingt wieder verreisen wollen – ganz gleich, unter welchen Bedingungen. Dabei verändern sich die Regeln zurzeit beinahe täglich. Wir versuchen, unsere Reiseunterlagen mit allen wichtigen Corona-Informationen so spät wie möglich zu verschicken, damit sie so aktuell wie möglich sein können und unsere Reisenden nicht unnötig verunsichert werden. 

Wohin gehen die ersten Reisen?

Die erste Reise beginnt am 14. Juni nach Rügen. Das ist eine ganz spannende Reise, weil sie ursprünglich im April letzten Jahres mit dem Ziel Timmendorfer Strand geplant war und zweimal abgesagt werden musste. Und doch haben unsere Kundinnen und Kunden gesagt: Egal, wir fah­ren überall mit hin, macht das so. Jetzt hat es endlich geklappt, sodass ein ausgebuchter Bus mit 40 Personen Richtung Ostsee startet.

Ein großes Ziel 2020 waren die Oberammergauer Passionsspiele … Wie sieht es damit aus?

Tatsächlich sind die Passionsspiele ja auf 2022 verschoben worden. Wir freuen uns sehr, rund 900 Teilnehmende in 25 Reisegruppen bei diesem besonderen Erlebnis begleiten zu können. Die allermeisten Kundinnen und Kunden, die für 2020 gebucht hatten, wollten auch 2022 unbedingt dabei sein.

Welche alternativen Reise-Modelle haben Sie wegen der Corona-Pandemie entwickelt?

Unsere Radreisen durchs Altmühltal etwa haben sich ganz großartig entwickelt. Wir hatten ursprünglich nur eine einzige Reise in dieser Art geplant, die Ende Juni startet. Doch die Nachfrage war so groß, dass daraus drei komplett ausgebuchte Reisen geworden sind – im August und September werden die zusätzlichen Gruppen losradeln. 

Was empfehlen Sie Reiselustigen, die jetzt loswollen?

Wir bleiben in diesem Jahr großteils auf Busreisen innerhalb Deutschlands fokussiert – im August etwa ins Rheingau oder im September zu herrlichen Wohlfühl-Tagen in Bad Füssing. Darüber hinaus gibt es aber höchstwahrscheinlich auch faszinierende Flusskreuzfahrten im Spätsommer und Herbst: zum Beispiel im September in Frankreich auf der Seine oder im Oktober auf der Rhone. Wir gehen davon aus, dass das bis dahin auch wirklich möglich ist, weil so eine Kreuzfahrt ja in einer feststehenden Gesellschaft unternommen wird: Reisende wie Crew und Personal wechseln ja nicht, sondern bleiben die ganze Zeit an einem Ort zusammen. 

Wie sieht es mit Reisen ins Heilige Land aus – auch angesichts des Waffenstillstands dort?

Wir haben noch vor dem Wiederausbrechen der Gewalt entschieden, dass wir uns auf einen Neustart der Reisen ins Heilige Land im kommenden Jahr konzentrieren. Da zeigt sich jetzt schon gewaltiges Interesse – sowohl bei unseren eigenen Katalog-Reisen als auch bei Sondergruppen, die sich von uns ihre Heilig-Land-Reise konzipieren und organisieren lassen. 

Mit welcher Perspektive schauen Sie und Ihr Team in die Zukunft?

So wie es aussieht, werden wir unseren Reisestand von 2019 im neuen Jahr womöglich noch steigern können. Das ist umso schöner, als wir ja eigentlich in diesem Jahr 20 Jahre Emmaus-Reisen hatten feiern wollen. Und unsere funkelnagelneuen, hellen und modernen Geschäftsräume am Horsteberg, die wir im Februar 2020 eröffnen konnten, haben seitdem nur wenige Kundinnen und Kunden erleben können. Dass sich das jetzt hoffentlich ordentlich ändert, wünschen wir uns im Team ganz besonders.

Interview: Markus Nolte, Kirche+Leben
Foto: Michael Bönte, Kirche+Leben